Montag, 16. Dezember 2013

Weihnachts-Schmankerl

 Hei hei! Terve!
Das ist "Hi!" und "Hallo!" auf Finnisch.
Seit ein paar Wochen beschäftige ich mich mit der finnischen Sprache.

Wie es dazu kam:
Es ist in unserem Studium vorgesehen, sich mit einer nicht-indoeuropäischen Sprache auseinander zu setzen. Das heißt also, dass die gängigen Sprachen, die man bei uns an der Uni lernen kann schon einmal wegfallen (beispielsweise Spanisch, Italienisch, Französisch... Deutsch und Englisch zählen da sowieso nicht als Fremdsprache).
Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich die Wahl zwischen Japanisch, Chinesisch, Finnisch, Türkisch und Hebräisch.
Ich hab mich letztlich für Finnisch entschieden, weil mir die Sprache ziemlich interessant erschien (auf Platz 1 steht für mich zwar Japanisch, aber da ich im Bachelor schon Japanisch hatte, hat es keinen Sinn gemacht, nochmal einen Anfängerkurs zu belegen).
Außerdem wurde dieses Semester nicht nur ein Sprachkurs für Finnisch, sondern auch ein Strukturkurs angeboten, die ich gleich beide belegt habe. Und wie sich herausgestellt hat, hatte ich ziemlich viel Glück einen Platz in beiden Kursen zu bekommen. Vor allem die Sprachkurse sind jedes Semester hoffnungslos überrannt.
Den Sprachkurs können alle Leute an der Uni mitmachen, egal was sie sonst eigentlich studieren.
Der Strukturkurs richtet sich nur an Linguisten. Im Strukturkurs lernt man hauptsächlich etwas über die Sprache und nicht die Sprache selbst. (Zum Beispiel: Wie ist die Sprache aufgebaut? Welche Laute gibt es? Welche Besonderheiten? Mit welchen anderen Sprachen ist sie "verwandt"?...)

Bisher wurde ich auch nicht enttäuscht.
Finnisch ist wirklich eine interessante Sprache. Ich finde es sehr spannend mal etwas über eine Sprache zu lernen, die doch wirklich so ganz anders ist, als die meisten Sprachen. Vor allem mit den Sprachen in Europa hat Finnisch ganz wenig gemeinsam.

Hier als Beispiel und passend zur Jahreszeit ein finnisches Weihnachtslied:
(Ja, das haben wir auch tatsächlich schon im Sprachkurs in der letzten Woche vor Weihnachten gesungen.^^'')
Der Weihnachtsmann heißt auf Finnisch übrigens joulupukki.
In dem Lied oben geht es um Wichtel, die hervor kommen wenn alle schlafen und vom Weihnachtsbuffett naschen. Und wenn die über den Tisch laufen macht es "Tip-tap".
In diesem Sinne:

Hyvää joulua ja onnellista uutta vuotta!

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr! :)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Lauter Laute! Teil 2

Wir haben uns vor Kurzem ja schon ein wenig mit der Lautproduktion beschäftigt und festgestellt, dass sprachliche Laute entstehen, wenn Luft aus den Lungen durch den Vokaltrakt (= Kehlkopf, Rachen und Mundraum) strömt.

Das ist aber natürlich nicht nur ein Hindurch-strömen. Sonst würden wir ja immer nur einen einzigen Laut produzieren, der sich wahrscheinlich so anhören würde, als ob eine kaputte Luftpumpe versucht zu reden.

Ein Laut wird in der Linguistik übrigens als Phon bezeichnet. Allerdings ist man sich nicht so einig, wie der Begriff ausgelegt werden soll. (Wenn man zum Beispiel "Mama" sagt, dann könnte man annehmen, dass das Wort aus zwei verschiedenen Phonen besteht nämlich aus [m] und [a]. Man könnte aber auch sagen, dass das Wort aus vier Phonen besteht, also [m], [a], [m], [a]. Und zwar, weil das erste und das zweite [m] nie 100%ig gleich sind. Genauso können auch die beiden [a] nie zu 100% gleich sein. Die Unterschiede sind zwar unglaublich fein aber trotzdem sind sie da. Und wenn ich heute ein Wort sage,  hört es sich vermutlich wieder etwas anders an, als es sich gestern angehört hat. Da spielen ganz viele verschiedene Faktoren eine Rolle.)

Wir brauchen also viele verschiedene Laute um uns erfolgreich auszudrücken.
Verschiedene Laute produzieren wir, indem wir den Luftstrom in unserem Vokaltrakt modellieren und bearbeiten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten das zu tun.
Es gibt einerseits verschiedene Orte im Vokaltrakt an denen der Luftstrom bearbeitet werden kann und andererseits kann das auf verschiedene Art geschehen. Man hat also Artikulationsorte  und Artikulationsarten.
Beispielsweise kann man einen Laut mit den Lippen bilden. Die Lippen sind dann also der Artikulationsort (auf dem Bild A und G). Und nun kann man also einen Laut bilden indem man die Lippen aufeinander legt und den Vokaltrakt verschließt. Die Luft strömt dann durch die Nase aus und man artikuliert ein [m]. In der Fachsprache sagt man deshalb, dass [m] ein bilabialer Nasal ist. Bilabial heißt, dass beide Lippen benutzt werden und beschreibt den Artikulationsort und Nasal heißt dementsprechend, dass die Luft durch die Nase austritt und beschreibt die Artikulationsart.

Es gibt acht verschiedene Artikulationsarten und elf verschiedene Artikulationsorte, die beschreiben wie Laute gebildet werden. Das gilt übrigens für Konsonanten.
(Bei Vokalen verhält es sich ein wenig anders.)

Das hier ist eine Tabelle zu allen Konsonanten:

Das sieht erst einmal etwas kryptisch aus, ist aber eigentlich nicht besonders kompliziert. In der linken Spalte stehen die verschiedenen Artikulationsarten und in der oberen Zeile stehen die verschiedenen Artikulationsorte. Wenn man jetzt unter "Bilabial" und "Nasal" schaut, sieht man wieder unser [m] von vorhin.
Die Tabelle wurde von der Gesellschaft des internationalen phonetischen Alphabets (kurz IPA) zusammengestellt. Die IPA Zeichen werden zum Beispiel auch in Wörterbüchern benutzt. Manchmal steht dann hinter einem "normalen" Wort die IPA Schreibweise in eckigen Klammern. Aus ihnen kann man dann ableiten, wie man das Wort aussprechen muss. Viele der Zeichen oben stimmen mit der deutschen Aussprache der Konsonanten überein. Also zum Beispiel sind [p], [k], [m], [n] tatsächlich auch die Laute, die wir kennen. Bei anderen muss man aber aufpassen: das [s] in IPA ist nicht unser normales "s", wie z.B. in "Hase", sondern eher wie unser "ß" oder "ss", wie in "Straße" oder "muss". Das IPA zeichen [s] ist also stimmlos und die stimmhafte Variante ist das Zeichen [z].

Also:  Deutsch                  Beispiele                                 IPA
           "ss"                      muss, Hass, Masse...                 [s]
           "ß"                       Straße, Maß, Schoß...              [s]
            "s"                      Hase, Sesam, Sahne...              [z]

Demnächst schauen wir uns dann mal die Vokale an und ich versuche zu transkribieren. :)

Donnerstag, 28. November 2013

Exkurs: Reaktionszeitlabor

Ich als Versuchskaninchen!

Das war eine interessante Erfahrung. In einem Kurs, in dem es eigentlich um Statistik geht, haben wir diese Woche nämlich einen kleinen Exkurs gemacht und an einem Experiment im Reaktionszeitlabor teilgenommen.

Das Reaktionszeitlabor war ein großer Raum in dem vier separate kleine Kabinen stehen. (Die sahen ein wenig aus wie zu groß geratene Schränke einer bekannten schwedischen Möbelfirma).
Zu jeder Kabine gab es auch noch einen eigenen Schreibtisch mit PC. Von da aus kann man dann das jeweilige Experiment starten und danach die Daten speichern.
In der Kabine sitzt man dann an einem Schreibtisch vor einem Monitor und hat eine Tastatur mit genau zwei Tasten.
Bei unserem Versuch ging es darum echte Wörter des deutschen Wortschatzes von ausgedachten Wörtern zu unterscheiden. Dazu wurde immer erst ein echtes Deutsches Wort auf dem Bildschirm präsentiert und danach entweder ein ausgedachtes oder nochmal ein echtes Wort. Bei einem echten Wort sollte man dann so schnell es geht die eine Taste drücken und bei einem falschen dann die andere Taste.
(Auffällig war, dass die Wortpaare manchmal zusammen gehörten und manchmal nicht.
Zum Beispiel so:
Wort 1: Oma
Wort 2: Enkel

Wort 1: Haus
Wort 2: Klurp

Wort 1: Baum
Wort 2: Radiergummi

usw.)

Das ganze hat ungefähr 10 Minuten gedauert und dabei wurde dann die Reaktionszeit gemessen. 10 Minuten können einem dabei ganz schön lang vorkommen und nach gefühlten 100 Wortpaaren fangen dann auch die Augen an zu flimmern.
Die Versuche laufen noch die ganze Woche über und wahrscheinlich werden wir dann in den nächsten Wochen die Ergebnisse anschauen und statistische Überlegungen dazu machen.
Ich bin tatsächlich gespannt, was dabei herauskommt.  :)

Mittwoch, 27. November 2013

Lauter Laute!

Diesmal geht es um die Produktion von sprachlichen Lauten. Das Gebiet, das sich (unter anderem) damit beschäftigt, ist die Phonetik.

Es ist eins der ersten Dinge, die der (gesunde) Mensch macht, sobald er auf die Welt kommt: Schreien.
Das Schreien geht dann irgendwann in ein Brabbeln und Plappern über und schließlich werden daraus wohlgeformte Ausdrücke (die im besten Fall auch noch eine Bedeutung haben).

Dazu braucht der Mensch einen Sprechapparat (auch Vokaltrakt oder Ansatzrohr genannt). Der setzt sich aus Mund, Mundraum, Rachen und Kehle bzw. Kehlkopf zusammen.  So sieht das dann in einem Querschnitt aus:
Das alleine reicht aber natürlich noch nicht. Man braucht, um Laute zu produzieren, natürlich noch Luft. Die Luft kommt aus den Lungen und wird dann im Vokaltrakt geformt.
 
Wenn die Luft sich ihren Weg aus den Lungen nach außen bahnt, stößt sie als erstes auf den Kehlkopf. Darin sitzen die Stimmlippen oder Stimmbänder. Die können, ähnlich wie die Saiten einer Gitarre, schwingen. Das kann man auch selbst ganz gut merken, wenn man beispielsweise summt und dabei eine Hand ungefähr an die Mitte des Halses legt.
Die Stimmlippen können übrigens offen oder geschlossen sein (oder etwas dazwischen).
Die Luft strömt also durch den Kehlkopf und dann weiter in die Mundhöhle. Da kann man dann allerhand mit der Luft anstellen um die unterschiedlichsten Laute zu produzieren.
Das kommt dann beim nächsten Post. :)

Montag, 18. November 2013

Linguistik - und welche Sprache jetzt genau?

Linguistik ist die Wissenschaft der Sprache(n).

Das heißt natürlich, dass es um Sprachen geht. Und wenn ich manchmal versuche zu erklären, was Sprachwissenschaft so ist, stolpere ich dann über die Frage: "Und um welche Sprache geht es jetzt genau?" Es geht für gewöhnlich nicht nur um eine bestimmte Sprache oder ein paar ausgewählte Sprachen. Die Linguistik besteht aus vielen verschiedenen Teilgebieten, die auch von anderen wissenschaftlichen Disziplinen beeinflusst werden:

Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik.
(Das sind so die zu Grunde liegenden Fächer, die jeder bei uns an der Uni belegen muss.)
Aber es gibt natürlich noch einige mehr. Zum Beispiel historische Linguistik, Neuro- und Psycholinguistik, Computerlinguistik, Soziolinguistik, ...
Natürlich kann man auch eine Sprache in einem oder in mehreren dieser Teilgebiet untersuchen aber man kann eben auch innerhalb eines Bereichs mehrere Sprachen untersuchen und so vergleichen.

Außerdem muss man sich auch mit den praktischen Methoden vertraut machen.  Wie führt man Untersuchungen, Experimente oder Umfragen durch? Welche Fragen muss ich überhaupt stellen um eine brauchbare Antwort zu bekommen? 
Wie wertet man das Ganze aus? (Zur Zeit bin ich beispielsweise in einem Statistik-Kurs und da kann man allerhand lernen. Auch wenn Statistik für viele vielleicht erst einmal langweilig klingt, es ist durchaus ganz interessant.)
Und wie soll ich durch die ganze Fachliteratur durchsteigen oder gibt es vielleicht gar keine brauchbare? Ja, es gab schon viele frustrierende Erlebnisse in der Bibliothek und auch bei der Recherche im Internet... aber auch so manchen Glücksgriff.

Beim nächsten Post geht es mit einer kleinen Einführung in Phonetik und Phonologie weiter.

Dienstag, 12. November 2013

Lingu-was?

"Language is only the instrument of science, and words are but the signs of ideas: I wish, however, that the instrument might be less apt to decay, and that signs might be permanent, like the things they denote." Samuel Johnson

[Freie Übersetzung: Sprache ist bloß das Instrument der Wissenschaft und Wörter nun mehr die Zeichen der Ideen: Ich wünschte, dass das Instrument weniger flüchtig und die Zeichen dauerhaft sind, so wie die Dinge, die sie bezeichnen.]

In der Wissenschaft geht es darum, wahre Aussagen über die Welt zu machen. Und mit welchem Medium, wenn nicht mit der Sprache, könnte man das wohl machen?
Aber Sprache kann mehr sein, als nur ein Instrument der Wissenschaft. Sie kann selbst zum Gegenstand der Wissenschaft werden. (So ist dann die Sprache also auch ihr eigenes Instrument und versucht wahre Aussagen über sich selbst zu machen.)

Es ist wichtig zu verstehen, was genau Sprache eigentlich ist, bevor man sich mit ihren einzelnen Aspekten beschäftigt.
"Die Fähigkeit des Menschen zu sprechen" ist die erste Definition von Sprache im deutschen Duden. Allerdings ist das sehr oberflächlich betrachtet, da Sprache nicht nur die Produktion von Lauten ist, wie noch näher betrachtet werden soll. Beispielsweise kann man auch durch Gestik und andere Mittel kommunizieren und auch nicht jeder Laut ist automatisch Teil einer sprachlichen Äußerung (dazu darf sich jetzt jeder selbst Beispiele überlegen).
 Das kommt doch dem ganzen schon viel Näher.

Sprache ist also eine Menge von Zeichen und den dazu gehörigen Regeln, wie diese Zeichen anzuwenden sind. Der Sinn der Sprache ist die Verständigung, also Kommunikation mit anderen Individuen der gleichen Sprache.
Die Wissenschaft, die sich der Sprache widmet ist die Linguistik.



Dieser Blog hier soll übrigens eine Art Studien-Tagebuch werden. Ich möchte hier beschreiben, was ich bisher gelernt habe und womit ich mich aktuell in meinem Studium beschäftige. Ich will am Anfang erst einen Überblick zu den Grundlagen der Linguistik schaffen und dann irgendwann einmal mehr ins Detail gehen.