Donnerstag, 5. Dezember 2013

Lauter Laute! Teil 2

Wir haben uns vor Kurzem ja schon ein wenig mit der Lautproduktion beschäftigt und festgestellt, dass sprachliche Laute entstehen, wenn Luft aus den Lungen durch den Vokaltrakt (= Kehlkopf, Rachen und Mundraum) strömt.

Das ist aber natürlich nicht nur ein Hindurch-strömen. Sonst würden wir ja immer nur einen einzigen Laut produzieren, der sich wahrscheinlich so anhören würde, als ob eine kaputte Luftpumpe versucht zu reden.

Ein Laut wird in der Linguistik übrigens als Phon bezeichnet. Allerdings ist man sich nicht so einig, wie der Begriff ausgelegt werden soll. (Wenn man zum Beispiel "Mama" sagt, dann könnte man annehmen, dass das Wort aus zwei verschiedenen Phonen besteht nämlich aus [m] und [a]. Man könnte aber auch sagen, dass das Wort aus vier Phonen besteht, also [m], [a], [m], [a]. Und zwar, weil das erste und das zweite [m] nie 100%ig gleich sind. Genauso können auch die beiden [a] nie zu 100% gleich sein. Die Unterschiede sind zwar unglaublich fein aber trotzdem sind sie da. Und wenn ich heute ein Wort sage,  hört es sich vermutlich wieder etwas anders an, als es sich gestern angehört hat. Da spielen ganz viele verschiedene Faktoren eine Rolle.)

Wir brauchen also viele verschiedene Laute um uns erfolgreich auszudrücken.
Verschiedene Laute produzieren wir, indem wir den Luftstrom in unserem Vokaltrakt modellieren und bearbeiten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten das zu tun.
Es gibt einerseits verschiedene Orte im Vokaltrakt an denen der Luftstrom bearbeitet werden kann und andererseits kann das auf verschiedene Art geschehen. Man hat also Artikulationsorte  und Artikulationsarten.
Beispielsweise kann man einen Laut mit den Lippen bilden. Die Lippen sind dann also der Artikulationsort (auf dem Bild A und G). Und nun kann man also einen Laut bilden indem man die Lippen aufeinander legt und den Vokaltrakt verschließt. Die Luft strömt dann durch die Nase aus und man artikuliert ein [m]. In der Fachsprache sagt man deshalb, dass [m] ein bilabialer Nasal ist. Bilabial heißt, dass beide Lippen benutzt werden und beschreibt den Artikulationsort und Nasal heißt dementsprechend, dass die Luft durch die Nase austritt und beschreibt die Artikulationsart.

Es gibt acht verschiedene Artikulationsarten und elf verschiedene Artikulationsorte, die beschreiben wie Laute gebildet werden. Das gilt übrigens für Konsonanten.
(Bei Vokalen verhält es sich ein wenig anders.)

Das hier ist eine Tabelle zu allen Konsonanten:

Das sieht erst einmal etwas kryptisch aus, ist aber eigentlich nicht besonders kompliziert. In der linken Spalte stehen die verschiedenen Artikulationsarten und in der oberen Zeile stehen die verschiedenen Artikulationsorte. Wenn man jetzt unter "Bilabial" und "Nasal" schaut, sieht man wieder unser [m] von vorhin.
Die Tabelle wurde von der Gesellschaft des internationalen phonetischen Alphabets (kurz IPA) zusammengestellt. Die IPA Zeichen werden zum Beispiel auch in Wörterbüchern benutzt. Manchmal steht dann hinter einem "normalen" Wort die IPA Schreibweise in eckigen Klammern. Aus ihnen kann man dann ableiten, wie man das Wort aussprechen muss. Viele der Zeichen oben stimmen mit der deutschen Aussprache der Konsonanten überein. Also zum Beispiel sind [p], [k], [m], [n] tatsächlich auch die Laute, die wir kennen. Bei anderen muss man aber aufpassen: das [s] in IPA ist nicht unser normales "s", wie z.B. in "Hase", sondern eher wie unser "ß" oder "ss", wie in "Straße" oder "muss". Das IPA zeichen [s] ist also stimmlos und die stimmhafte Variante ist das Zeichen [z].

Also:  Deutsch                  Beispiele                                 IPA
           "ss"                      muss, Hass, Masse...                 [s]
           "ß"                       Straße, Maß, Schoß...              [s]
            "s"                      Hase, Sesam, Sahne...              [z]

Demnächst schauen wir uns dann mal die Vokale an und ich versuche zu transkribieren. :)

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